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<title>Pērkons</title>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Pērkons</b> (<a href="Lettische_Sprache" title="Lettische Sprache">lett</a>. <i>Pērkons</i>, <a href="Litauische_Sprache" title="Litauische Sprache">lit</a>. <i>Perkūnas</i>, <a href="Altpreu%C3%9Fische_Sprache" title="Altpreußische Sprache">apr</a>. <i>percunis</i> m. „Donner“), deutsch <b>Perkun</b>, ist ein <a href="Balten" title="Balten">baltischer</a> Himmels- und <a href="Gewittergott" class="mw-redirect" title="Gewittergott">Gewittergott</a> und findet mitunter auch als Bezeichnung des <a href="Gewitter" title="Gewitter">Gewitters</a> Verwendung. Das altpreußische Wort <i>percunis</i> erscheint nur im Elbinger Vokabular und wird mit „Donner“ übersetzt, eine mythisch, religiöse Bedeutung ist unbelegt. Perkūnas ist eine der am häufigsten erwähnten Figuren des baltischen <a href="Pantheon" title="Pantheon">Pantheons</a> und ist auch heute gemeinhin bekannt. In den <a href="Neuheidentum" class="mw-redirect" title="Neuheidentum">neuheidnischen</a> Bewegungen hat Perkūnas eine wichtige Rolle inne.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Etymologie">Etymologie</h2></div>
<p>Es gibt mehrere Etymologien, die sich zum Teil gegenseitig ausschließen. Die verbreitetste Etymologie stellt den Namen zur germanischen Gottheit <a href="Fj%C3%B6rgynn" class="mw-redirect" title="Fjörgynn">Fjörgynn</a>, der lediglich als <a href="Frigg" title="Frigg">Friggs</a> Vater genannt wird, wozu noch zu bemerken ist, dass die namensgleiche Erdgöttin <a href="J%C3%B6rd" title="Jörd">Fjörgyn</a> als Mutter des nordischen Donnergottes <a href="Thor" title="Thor">Thor</a> gilt. Auch der slawische Donnergott <a href="Perun" title="Perun">Perun</a> und der vedische Regengott <a href="Parjanya" title="Parjanya">Parjanya</a> werden hinzugezogen, wobei aber der sprachliche Vergleich bei beiden aus lautlichen Gründen problematisch und nicht exakt ist. Dennoch wird in der Forschung mit der Möglichkeit gerechnet, dass ein <a href="Indogermanische_Religion" title="Indogermanische Religion">indoeuropäischer Gott</a> namens *Perkuh<sub>3</sub>nios existiert haben könnte. Dieser Name wird mit dem indoeuropäischen Wort *perku- »Eiche«&nbsp;(<a href="Latein" title="Latein">lat</a>. quercus) verbunden, das auch im keltischen Gebirgsnamen <a href="Herkynischer_Wald" title="Herkynischer Wald">Hercynia silva</a> erhalten ist. Hierzu wird auch die germanische Sippe mit <a href="Gotische_Sprache" title="Gotische Sprache">got</a>. <i>fairguni</i> »Waldgebirge«&nbsp;gerechnet. Der Donnergott stünde dann in einem weiteren Verhältnis mit Eiche und Gebirge, wozu es mehrere religionsgeschichtliche Belege gibt, wie die <a href="Donareiche" title="Donareiche">Donarseiche</a> oder die heilige Eiche des Zeus zu <a href="Dodona" title="Dodona">Dodona</a>.
</p><p>Eine andere passende Etymologie stellt den Namen zu lit. <i>perti</i> „schlagen“, <i>spirti</i> „treten, ausschlagen“; somit wäre Perkūnas der mit dem Blitz schlagende (<a href="Max_Vasmer" title="Max Vasmer">Max Vasmer</a>, <a href="Ernst_Fraenkel_(Linguist)" title="Ernst Fraenkel (Linguist)">Ernst Fraenkel</a>).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Belege_und_Funktion">Belege und Funktion</h2></div>
<p>Der älteste Beleg stammt aus einem späteren, kirchenslawischen Einschub (1261) in der byzantinischen Chronik des <a href="Johannes_Malalas" title="Johannes Malalas">Johannes Malalas</a>. Hier wird er als <i>Перкоунови</i> (Dat.) in einer Reihe mit anderen Gottheiten <i>Andajus</i>, <i>Žvorūna</i> – die Hündin, <i>Teliavelis</i> – der Schmied genannt und als Donner umschrieben.
Der nächste Beleg stammt aus der <a href="Livl%C3%A4ndische_Reimchronik" title="Livländische Reimchronik">Livländischen Reimchronik</a> von 1291:
</p>
<dl><dd><i>zu Swurben vûren sie ubir sê,</i></dd>
<dd><i>daz ist genant daz Ôsterhap:</i></dd>
<dd><i>als ez Perkune ir apgot gap,</i></dd>
<dd><i>daz nimmer sô hart gevrôs.</i></dd></dl>
<p><a href="Simon_Grunau" title="Simon Grunau">Simon Grunau</a> teilt um 1529 mit, dass im prußischen Heiligtum <a href="Romowe" title="Romowe">Rickoyot</a> drei Hauptgötter, deren Abbilder in einer sechs <a href="Elle_(Einheit)" title="Elle (Einheit)">Ellen</a> dicken <a href="Eiche" class="mw-redirect" title="Eiche">Eiche</a> standen, verehrt wurden. Es waren dies <i><a href="Patollos" title="Patollos">Patollo</a></i>, <i><a href="Potrimpos" title="Potrimpos">Patrimpo</a></i>, <i>Perkuno</i>.
<a href="Jan_D%C5%82ugosz" title="Jan Długosz">Jan Długosz</a> vergleicht im 15. Jahrhundert explizit mit <a href="Jupiter_(Mythologie)" title="Jupiter (Mythologie)">Jupiter</a>:
</p>
<dl><dd><i>Jovem autem in fulmine venerando vulgari suo illum Perkunum, quasi percussorem, appellabant</i></dd></dl>
<p>(etwa "Doch in ihrer gemeinsamen Sprache nannten sie Jupiter Percus, als wäre er derjenige, der zuschlug, zu Ehren seines Blitzes.")
Anhand folkloristischer Zeugnisse kann ein genaueres Bild des Donnergottes bezogen werden. Er wird als „Alter Vater“ angesprochen. Ihm werden Brüder, Söhne und Töchter zugeschrieben, die aber alle namen- und auch funktionslos sind und offenbar lediglich als dichterische Ausschmückungen dienen. Andererseits wird der litauische Perkunas auch als alter finsterer Einzelgänger mit kupferrotem Bart beschrieben, der aufgrund seines furchteinflössenden Wesens keine Frau finden könne.
</p><p>Seine Waffe ist häufig ein Steinbeil, ein Hammer oder eine Kugel. In diesem Zusammenhang wird er auch als Himmelsschmied bezeichnet, der die Sonne fertigte, was entfernt an den griechischen Götterschmied <a href="Hephaistos" title="Hephaistos">Hephaistos</a> gemahnt, der die Blitze des Zeus schmiedet.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Seine Geschosse galten als magisch aufgeladen und besaßen Heilkraft.
</p><p>Zudem bekämpft der Donnergott schädliche Geister und ist auch ein Beschützer von Moral, der Ungerechtigkeit verfolgt.
</p><p>Als Förderer der Fruchtbarkeit wird in Lettland dem Pērkons ein Herbstfest gewidmet:
</p>
<dl><dd><i>Was wollen wir Pērkons geben für das Grollen im Sommer? Eine Last Roggen, eine Last Gerste und ein halbes Schiffspfund Hopfen.</i> <sub>Daina 28818</sub></dd></dl>
<p>Aus den Angaben von Dionysios Fabricius zum Jahre 1610 wurden zu diesem herbstlichen Fest die Nachbarn eingeladen. Dem <i>Percunus</i> wurden beim Fest ein junger schwarzer Bock und ein schwarzer Hahn geopfert. Beim dazugehörigen Biergelage wurde ihm Bier dargereicht.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Rezeption">Rezeption</h2></div>
<p><a href="Gintaras_Beresnevi%C4%8Dius" title="Gintaras Beresnevičius">Gintaras Beresnevičius</a> nennt Perkūnas den wichtigsten Gott im baltischen Pantheon. Für <a href="Wladimir_Toporow" class="mw-redirect" title="Wladimir Toporow">Wladimir Toporow</a> und <a href="Wjatscheslaw_Wsewolodowitsch_Iwanow" title="Wjatscheslaw Wsewolodowitsch Iwanow">Wjatscheslaw Iwanow</a> ist er die Hauptfigur in dem sogenannten, rekonstruierten Hauptmythos der baltisch-slawischen Mythologie, der darin besteht, dass Perkūnas seinen Gegner, den Teufel (<i>velnias</i>) oder eine Schlange bzw. Drachen verfolgt und letztlich besiegt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Sonstiges">Sonstiges</h2></div>
<p>Pērkons ist der Name einer lettischen Rockband, die in der Unabhängigkeitsbewegung der (Sowjet-)Republik Lettland (1985 bis 1991) eine wichtige Rolle spielte.
</p><p>Mehrere Orts- und Flurnamen sind nach Perkūnas benannt.
</p><p>Perkunos hieß ein Dressurpferd von <a href="Hannelore_Weygand" title="Hannelore Weygand">Hannelore Weygand</a>, die mit diesem Pferd bei den Olympischen Spielen 1956 in Stockholm die Silbermedaille in der Mannschaftswertung gewann.
</p><p>Perkun ist der Name des schwarzhaarigen <a href="Deutscher_Sch%C3%A4ferhund" title="Deutscher Schäferhund">deutschen Schäferhundes</a> in <a href="G%C3%BCnter_Grass" title="Günter Grass">Günter Grass</a>’ Roman <i><a href="Hundejahre" title="Hundejahre">Hundejahre</a></i> (1963). Perkun zeugt Senta, die Harras wirft, der Prinz zeugt, der zu Pluto wird und so als Leibhund des <a href="Adolf_Hitler" title="Adolf Hitler">Führers</a> Geschichte schreibt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Haralds_Biezais" title="Haralds Biezais">Haralds Biezais</a>: <i>Baltische Religion.</i> Kohlhammer, Stuttgart 1975, ISBN 3-17-001157-X.</li>
<li>Jonas Balys, Haralds Biezais: <i>Baltische Mythologie.</i> In: <a href="Hans_Wilhelm_Haussig" title="Hans Wilhelm Haussig">Hans Wilhelm Haussig</a> (Hrsg.): <i>Götter und Mythen im Alten Europa</i> (= <i><a href="W%C3%B6rterbuch_der_Mythologie" title="Wörterbuch der Mythologie">Wörterbuch der Mythologie</a>.</i> Abteilung 1: <i>Die alten Kulturvölker.</i> Band 2). Klett-Cotta, Stuttgart 1973, ISBN 3-12-909820-8.</li>
<li><a href="Norbertas_V%C4%97lius" title="Norbertas Vėlius">Norbertas Vėlius</a> (Hrsg.): <i>Baltų religijos ir mitologijos šaltiniai, I</i>. Vilnius 1996, ISBN 5-420-01353-3.</li>
<li>Nijolė Laurinkienė: <i>Senovės lietuvių dievas Perkūnas</i>. Vilnius 1996, ISBN 9986-513-14-6.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Haralds Biezais: <i>Baltische Religion.</i> Kohlhammer, Stuttgart 1975, ISBN 3-17-001157-X.</span>
</li>
</ol>
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